Kabelüberwachung für Mittel- und Hochspannung – intelligente Zustandsüberwachung mit Glasfaser-Sensorik

Stromkabel per Glasfaserkabel kontinuierlich überwachen – Fehler frühzeitig erkennen und Ausfälle vermeiden

Mittel- und Hochspannungskabel gehören zu den kritischsten Komponenten moderner Energieinfrastrukturen. Besonders bei unterirdischen Kabelsystemen, Seekabeln, Windparks, Industrieanlagen und kritischer Infrastruktur können Beschädigungen oder Überhitzung erhebliche Ausfall- und Reparaturkosten verursachen.

Moderne faseroptische Kabelüberwachung (Distributed Fiber Optic Sensing / DFOS) ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung über große Leitungslängen. Dabei kann eine im oder neben dem Kabel verlegte Glasfaser selbst als verteilter Sensor dienen. Je nach eingesetzter Technologie lassen sich Temperatur, mechanische Dehnung, Vibrationen und akustische Ereignisse entlang der gesamten Kabelstrecke erfassen und lokalisieren.

Kabelüberwachung für Mittelspannung und Hochspannung
Kabelüberwachung für Mittelspannung und Hochspannung

Kombination aus Kabelüberwachung und Schutzrelais

Die größte Wirkung entsteht durch die Kombination kontinuierlicher Kabelüberwachung mit klassischer Schutztechnik. Während Schutzrelais elektrische Fehler wie Kurzschluss, Erdschluss, Überstrom oder Differentialfehler innerhalb von Millisekunden erkennen und abschalten, liefert die faseroptische Überwachung zusätzliche Informationen über den tatsächlichen Zustand der Kabelanlage. Temperaturanstieg, Hotspots, mechanische Belastungen, Vibrationen oder Fremdeinwirkungen können dadurch bereits erkannt werden, bevor daraus ein elektrischer Fehler entsteht. Die Verbindung beider Systeme ermöglicht somit einen ganzheitlichen Ansatz aus präventiver Zustandsüberwachung und schneller Fehlerabschaltung und erhöht damit Verfügbarkeit, Betriebssicherheit und Transparenz kritischer Energieinfrastrukturen.

Vorteile der kontinuierlichen Kabelüberwachung

Eine einzige Glasfaser kann Leitungs- oder Perimeterabschnitte von bis zu 100 km kontinuierlich überwachen. Bei Messintervallen von etwa 1 m entstehen rechnerisch bis zu 100.000 überwachte Positionen entlang der Strecke – ohne entsprechend viele einzelne Sensoren installieren und warten zu müssen.

Vorhandene Glasfasern
können unter Umständen weiterverwendet werden, sodass keine (neue) separate Sensorkette entlang der gesamten Strecke erforderlich ist.

Weitere Vorteile für Betreiber von Stromnetzen und Energieanlagen sind:

  • Frühzeitige Erkennung kritischer Veränderungen
  • Präzise Lokalisierung von Ereignissen entlang der Kabeltrasse
  • Kontinuierliche Überwachung statt punktueller Sensorik
  • Reduzierung ungeplanter Ausfallzeiten
  • Unterstützung zustandsorientierter und präventiver Wartung
  • Höhere Betriebssicherheit kritischer Energieinfrastruktur
  • Bessere Ausnutzung vorhandener Kabelkapazitäten
  • Integration in Leit-, SCADA- und Asset-Management-Systeme möglich

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Weitere Einsatzmöglichleiten der faseroptischen Messmethode bei Stromnetzbetreibern

Für einen Stromnetzbetreiber sind neben der direkten Kabelüberwachung vor allem diese folgenden Anwendungen interessant:

AnwendungNutzen
Perimeterüberwachung von UmspannwerkenErkennung von Personen, Fahrzeugen, Klettern, Schneiden am Zaun oder Grabungsarbeiten über Glasfaser
FreileitungsüberwachungNutzung vorhandener Glasfasern zur Erkennung von Schwingungen, Vereisung und mechanischen Veränderungen
Kabeltunnel-ÜberwachungKontinuierliche Temperaturmessung, Hot-Spot-Erkennung und frühe Branderkennung
TrassenüberwachungErkennung von Baggerarbeiten, Fremdeingriffen, Bodenbewegungen und Erdrutschen
Seekabel- und Offshore-ÜberwachungErkennung von Ankereinwirkungen, Schiffsnähe, mechanischer Belastung und Temperaturproblemen
BauwerksüberwachungÜberwachung von Tunneln, Schächten, Fundamenten und Stützwänden auf Bewegung und Dehnung
Glasfasernetz-ÜberwachungNutzung vorhandener Telekommunikationsfasern als Sensor und Überwachung kritischer Kommunikationsinfrastruktur

Die faseroptische Messmethode kann außerdem für den Perimeterschutz mit einer Videoüberwachung oder mit physischen Schutzrohren kombiniert werden. Dabei können Stromkabel oder Unterseekabel und Glasfaser gemeinsam in einem Schutzrohr verlegt werden, sodass mechanischer Schutz und kontinuierliche sensorische Überwachung miteinander verbunden werden.

Temperaturüberwachung und Hotspot-Erkennung – DTS

Mit Distributed Temperature Sensing (DTS) wird die Temperatur entlang eines Energiekabels kontinuierlich gemessen.

Dadurch können thermisch auffällige Bereiche und lokale Hotspots frühzeitig erkannt werden. Gerade bei erdverlegten Hochspannungskabeln können unterschiedliche Bodenbedingungen, Kabelkreuzungen, Rohrsysteme, Muffen oder andere thermische Engstellen die Wärmeabfuhr beeinflussen.

Die kontinuierliche Temperaturüberwachung über Glasfaser gehört zu den etablierten Verfahren zur Zustandsüberwachung von Hochspannungskabelsystemen.

Typische Anwendungen

  • Hochspannungs- und Mittelspannungskabel
  • Erdkabel
  • Kabeltunnel
  • Kabelkanäle
  • Offshore- und Seekabel
  • Windparkverkabelung
  • Industrieanlagen
  • Umspannwerke
  • Kraftwerke
  • Rechenzentren

Dynamische Kabelbelastbarkeit – Real-Time Thermal Rating (RTTR)

Die tatsächlich zulässige Strombelastbarkeit eines Kabels hängt wesentlich von seiner Temperatur und den jeweiligen Umgebungsbedingungen ab.

Durch die Kombination kontinuierlicher Temperaturmessung mit thermischen Kabelmodellen kann ein Real-Time Thermal Rating (RTTR) berechnet werden.

Damit lässt sich die vorhandene Kabelkapazität besser nutzen, ohne zulässige thermische Grenzwerte zu überschreiten. CIGRE behandelt DTS und RTTR ausdrücklich als Technologien zur verbesserten thermischen Überwachung und dynamischen Bewertung von Leistungskabeln.

Akustische Kabelüberwachung – DAS

Distributed Acoustic Sensing (DAS) macht eine Glasfaser zu einem über große Entfernungen verteilten akustischen beziehungsweise vibrationssensitiven Sensor.

Damit können charakteristische mechanische Ereignisse entlang einer Kabeltrasse erkannt und lokalisiert werden.

Erkennung von Fremdeinwirkungen

Eine der wichtigsten Anwendungen ist die frühzeitige Erkennung von Aktivitäten in unmittelbarer Nähe kritischer Kabel.

Beispiele:

  • Bagger- und Erdarbeiten
  • Bohrarbeiten
  • Fahrzeuge und schwere Maschinen
  • Manipulations- oder Eindringversuche
  • Ankerbewegungen im Bereich von Seekabeln
  • mechanische Einwirkungen auf Kabeltrassen

Gerade bei unterirdischen und submarinen Kabelsystemen können solche Fremdeinwirkungen erhebliche Schäden verursachen. DAS-Systeme können hierfür als zusätzliches Überwachungsinstrument eingesetzt werden.

Mechanische Belastung und Dehnung – DSS

Mit Distributed Strain Sensing (DSS) können mechanische Dehnungen entlang einer Glasfaser gemessen werden.

Damit lassen sich beispielsweise Veränderungen beobachten, die durch Bewegung, Zugbelastung, Bodenbewegungen oder mechanische Beanspruchungen entstehen.

Besonders interessant ist dies für:

  • dynamische Offshore-Kabel
  • schwimmende Windenergieanlagen
  • Kabelübergänge und Hang-off-Bereiche
  • freiliegende Kabelabschnitte
  • geologisch aktive Bereiche
  • Leitungen mit mechanischen Bewegungen

Bei dynamischen Offshore-Kabeln können akustische und Dehnungsmessungen unterschiedliche Belastungszustände erfassen und sich gegenseitig ergänzen.

Überwachung von Offshore- und Seekabeln

Seekabel stellen besonders hohe Anforderungen an die Zustandsüberwachung.

Mögliche Risiken sind unter anderem:

  • mechanische Belastungen
  • Ankerkontakt
  • Bewegungen des Meeresbodens
  • freiliegende Kabelabschnitte
  • Temperaturprobleme
  • Kabelbewegungen
  • Belastung von Übergangs- und Aufhängungsbereichen

Faseroptische Sensorik erlaubt es, große Kabelabschnitte von einer zentralen Messstation aus kontinuierlich zu überwachen. Für Offshore-Windparks und andere maritime Energieinfrastrukturen bietet dies erhebliche Vorteile gegenüber ausschließlich punktueller Messtechnik.

Eine Glasfaser – mehrere Überwachungsfunktionen

Je nach Aufgabenstellung können unterschiedliche faseroptische Messverfahren über ein Glasfaserkabel kombiniert werden:

DTS – Distributed Temperature Sensing
→ Temperatur, thermische Hotspots und Kabelbelastung

DAS – Distributed Acoustic Sensing
→ Vibrationen, Bewegungen und Fremdeinwirkungen

DSS – Distributed Strain Sensing
→ Dehnung und mechanische Belastung

RTTR – Real-Time Thermal Rating
→ dynamische Berechnung der aktuellen Kabelbelastbarkeit

So entsteht aus einer klassischen Glasfaser eine kontinuierliche Sensorstrecke über große Entfernungen.

Für bestehende und neue Kabelanlagen

Faseroptische Kabelüberwachung kann sowohl bei neuen Kabelprojekten als auch bei bestehenden Anlagen interessant sein.

Bei Neubauten kann die Sensorfaser direkt in das Kabelsystem oder parallel zur Kabeltrasse integriert werden. Bei Bestandsanlagen ist zu prüfen, ob bereits vorhandene geeignete Glasfasern für bestimmte Messverfahren genutzt werden können. CIGRE beschreibt insbesondere für DAS auch die Möglichkeit, vorhandene optische Fasern für die verteilte Zustandsüberwachung zu verwenden.

Typische Einsatzbereiche

Energieversorger und Netzbetreiber

Überwachung von MS-, HS- und Höchstspannungskabeln sowie kritischen Übertragungs- und Verteilnetzen.

Windenergie und Offshore

Monitoring von Exportkabeln, Inter-Array-Kabeln und dynamischen Kabelsystemen bei Offshore-Windenergieanlagen.

Industrie

Kontinuierliche Überwachung kritischer Energieversorgung in Chemie-, Stahl-, Automobil-, Halbleiter- und Produktionsanlagen.

Rechenzentren

Überwachung hoch ausgelasteter Mittel- und Hochspannungskabel für besonders versorgungskritische Infrastrukturen.

Bahn und Verkehr

Überwachung von Energie- und Versorgungskabeln entlang von Bahnstrecken, Tunneln und Verkehrsinfrastrukturen.

Erneuerbare Energien und Speicher

Überwachung der Kabelinfrastruktur von Solarparks, Windparks, Batteriespeichern und Netzanschlusssystemen.

Beratung für Kabelüberwachung

Die optimale Lösung hängt stark von Kabeltyp, Spannungsebene, Leitungslänge, vorhandener Glasfaserkabel, Verlegeart und der gewünschten Überwachungsfunktion ab.

Wir unterstützen Sie bei der Auswahl geeigneter Technologien für:

  • Temperaturüberwachung / DTS
  • akustische Überwachung / DAS
  • Dehnungsmessung / DSS
  • Hotspot-Erkennung
  • Fremdeinwirkungserkennung
  • Offshore-Kabelmonitoring
  • dynamische Kabelbelastbarkeit / RTTR
  • Einbindung in bestehende Leit- und Überwachungssysteme

Sie möchten ein Mittel- oder Hochspannungskabel kontinuierlich überwachen?

Senden Sie uns Informationen zu Kabeltyp, Spannungsebene, Kabellänge, Verlegeart und vorhandenen Glasfasern.

Wir prüfen gemeinsam mit unsren führenden spezialisierten europäischen Technologiepartnern, welche Mess- und Überwachungslösung technisch sinnvoll ist.

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